Ist es noch üblich für einen Job umzuziehen?

Nun, Ihre Frage ist nicht so einfach zu beantworten und muss aus mehreren Perspektiven betrachtet werden.


Klar ist, dass die Zahl der Pendler stetig ansteigt. Pendelten im Jahr 1995 31% der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, waren es acht Jahre später bereits 39% der Arbeitnehmer, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in seinem Kurzbericht im Juni 2008 veröffentlichte. Die neue Analyse der XING AG vom Juni 2012  offenbarte, dass sogar 53% aller Xing-Mitglieder nicht in der gleichen Stadt leben und arbeiten. Männer nehmen dabei grundsätzlich häufiger längere Arbeitswege mit oftmals auch größeren Entfernungen als die Frauen in Kauf. Die Pendlerrate ist dabei in Frankfurt (Main) mit fast 70% am höchsten, während in Berlin und den neuen Bundesländern deutlich weniger Menschen leben, die ständig Hin- und Herfahren.

Insbesondere Hochqualifizierte tragen in hohem Maße zum stetigen Anstieg der Pendlerrate der berufstätigen Bevölkerung Deutschlands bei, da sie im Durchschnitt, hauptsächlich wegen finanziellen Gründen, nach dreieinhalb Jahren ihren Arbeitsplatz bereits wieder wechseln. Dieses "Wechselfieber" der deutschen Lohn- und Gehaltsempfänger ist im Übrigen kein neues Phänomen.

Während die Bereitschaft den eigenen Job für ein attraktives Angebot aufzugeben sehr hoch ist, sieht es beim Umzug anders aus. Nur etwa 40% der deutschen Arbeitnehmer würden laut Aussage des Statistischen Bundesamts ihren derzeitigen Wohnort für den neuen Job aufgeben, da oft Wohneigentum, Familie und soziale Beziehungen gegen einen solchen Schritt sprechen.

Stattdessen nehmen viele Berufstätige den Stress des täglichen Pendelns auf sich. Mag es für Pendler, die beispielsweise mit der deutschen  Bahn von Reutlingen nach Stuttgart unterwegs sind, recht stressfrei sein, da sie auf ihrer Fahrt das Angebot des "Fremdsprachen-Trainings" der Volkshochschule in Anspruch nehmen können und ihre Fahrtzeit  auf diese Weise sogar sinnvoll nutzen, sieht es bei den Pendlern, die jeden Tag in den Ballungsgebieten im Stau stehen, ganz anders aus.

Jedoch führen die langen Arbeitswege in Verbindung mit ständiger Erreichbarkeit und Überstunden sogar am Wochenende zu Überlastungen und einer Zunahme psychischer Beschwerden in der Bevölkerung, wie dem aktuellen Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zu entnehmen ist. Pendler, die eine Beeinträchtigung ihrer Freizeit durch die Arbeit feststellen, sollten daher dringend über einen Umzug nachdenken, um ihrer Gesundheit nicht zu schaden.

Im Übrigen lohnt es sich bereits beim Bewerbungsgespräch über den Umzug zu verhandeln. Obwohl sich nicht alle Firmen an den nicht gerade geringen Umzugskosten beteiligen, gibt es doch spendable Unternehmen, die in neue Mitarbeiter mit Potenzial investieren.

Fazit:

Pendeln oder Umzug? Das ist definitiv für jeden Fall separat zu betrachten. Die Pro und Contras müssen gegenübergestellt werden, bevor eine individuelle Entscheidung gefällt wird.

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3 Antworten »

Nachdem ich meine Probezeit überstanden hatte und eine Festanstellung angeboten bekam, habe ich mich für einen Umzug entschieden, da ich meine Zeit sinnvoller verbringen möchte, als die Hörspiele im Auto rauf und runter laufen zu lassen.

Comment by Oliver

Ja, die Erfahrung in Bezug auf die Umzugshilfe habe ich bei einem Vorstellungsgespräch selbst schon gemacht. Mein potentieller Arbeitgeber hat doch sofort mit mir im Internet nach möglichen Wohnungen gesucht, dennoch habe ich mich anschließend für ein besseres Angebot eines anderen Arbeitgebers entschieden.

Comment by Dominic

Ich bin bereits seit Jahren Berufspendler und mit den Zügen der Deutschen Bahn unterwegs. Gegen Pendeln habe ich gar nichts einzuwenden, im Gegenteil, auf diese Weise kann ich mich bereits in Ruhe auf den nächsten Arbeitstag vorbereiten und noch ein paar Dinge nachsehen, bevor mich meine Familie bei Ankunft in Beschlag nimmt. Außerdem knüpft man so hin und wieder wichtige Kontakte, die beruflich von Bedeutung sein können.

Comment by Schneckerle

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